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Weiß- und Schaumweine gewinnen an Boden, da Weinkäufer von Rotweinen abrücken

Der globale Markt für edle Weine erlebt einen spürbaren Wandel: Weiß- und Schaumweine steigern ihren Anteil am Handelsgeschehen stetig, während Rotweine an Dynamik verlieren.

Neue Zahlen, die von Liv-ex, dem Londoner Marktplatz und Datenanbieter für den Fine-Wine-Handel, veröffentlicht wurden, zeigen, wie sich das Käuferverhalten und die Investitionsmuster auf dem Sekundärmarkt entwickeln.

Laut Liv-ex-Daten ist der Wert von auf der Plattform gehandelten Weißweinen seit 2010 um 650 % gestiegen, während der Handel mit Schaumweinen im gleichen Zeitraum um 1.100 % zulegte. Im Gegensatz dazu lag der Handelswert von Rotwein im Jahr 2025 um 15,0 % unter dem Niveau von 2010, was eine deutliche Neuausrichtung innerhalb des Fine-Wine-Sektors widerspiegelt.

Jahrzehntelang dominierten Rotweine – insbesondere solche aus Bordeaux – den Sekundärmarkt. Doch veränderte Verbraucherpräferenzen, wirtschaftlicher Druck und sich wandelnde Trinkgewohnheiten gestalten die Nachfrage neu. Die neuesten Daten deuten darauf hin, dass dies mehr als ein vorübergehender Trend ist und stattdessen auf eine strukturelle Veränderung in der Herangehensweise von Sammlern, Händlern und privaten Käufern an den Erwerb edler Weine hinweist.

Einer der größten Nutznießer dieser Verschiebung war der weiße Burgunder. Liv-ex berichtete, dass Burgund Bordeaux als führende Weißweinregion nach Handelswert an der Börse überholt hat. Während Bordeaux-Weißweine seit 2011 einen Rückgang des Handelswerts um 17,6 % verzeichneten, zieht Burgund weiterhin eine starke Nachfrage über mehrere Preisniveaus hinweg an.

Der Erfolg des weißen Burgunders scheint auf eine Kombination aus Zugänglichkeit und Stabilität zurückzuführen zu sein. Preiswertere Weine aus der Region sind zunehmend im Handel aktiv, während Spitzenlabels auch in Zeiten größerer Marktunsicherheit relativ stabile Preise beibehalten haben. Dies steht im Gegensatz zur Volatilität, die in einigen Segmenten des Rotweinmarktes in den letzten Jahren zu beobachten war.

Sophia Gilmour, Marktanalystin bei Liv-ex, erklärte, dass die Bewegung hin zu Weißweinen nicht nur veränderte Geschmäcker, sondern auch veränderte Kaufabsichten widerspiegele. Käufer erwerben zunehmend Weine, um sie innerhalb eines kürzeren Zeitrahmens zu genießen, anstatt sie für eine lange Lagerung oder Spekulation aufzubewahren. Weiße Burgunder passen von Natur aus zu diesem Konsummuster und bieten sowohl Prestige als auch frühere Trinkbarkeit.

Gilmour bemerkte auch, dass Bordeaux heute zwar mehr hochwertige Weißweine als früher produziert, viele davon jedoch teuer bleiben und nicht die gleiche internationale Markenbekanntheit genießen wie die Premium-Produzenten aus dem Burgund. Dieser Markenvorteil hat dem Burgund geholfen, seine Position bei Sammlern und Liebhabern gleichermaßen zu stärken.

Schaumweine, insbesondere solche aus der Region Champagner, haben einen etwas anderen Weg eingeschlagen. Die Nachfrage nach Champagner expandierte während des Fine-Wine-Booms in der Pandemiezeit rasch, unterstützt durch hohe Konsumausgaben und festliche Konsumtrends. Obwohl die Kategorie später eine Korrektur erfuhr, profitiert Champagner laut Liv-ex weiterhin von seinem konsumorientierten Charakter.

Im Gegensatz zu anlageorientierten Rotweinen, die oft jahrelang gelagert werden, wird Champagner in der Regel mit der Absicht gekauft, ihn relativ schnell zu öffnen und zu genießen. Dieses Merkmal hat die Nachfrage in einer Zeit gestützt, in der viele Weinhändler ihre Lagerbestände reduziert und vorsichtiger bei langfristigen Bestandszusagen geworden sind.

Das breitere Marktumfeld beeinflusst ebenfalls die Handelsmuster. Höhere Zinsen, inflationärer Druck und geringere globale Luxusausgaben haben Käufer dazu ermutigt, wählerischer zu werden. Anstatt Kapital stark in traditionelle Rotweinregionen zu konzentrieren, diversifizieren Sammler zunehmend über Kategorien, Stile und Herkünfte hinweg auf der Suche nach Stabilität und Werterhalt.

Liv-ex wies darauf hin, dass der Zugang zu zeitnahen Marktdaten immer wichtiger wird, da Händler sich in einem fragmentierteren und selektiveren Marktumfeld zurechtfinden müssen. Käufer achten nun genauer auf Liquidität, Preiskonsistenz und langfristige Nachfragegrundlagen, wenn sie entscheiden, wo sie Kapital anlegen wollen.

Die Verlagerung hin zu Weiß- und Schaumweinen könnte auch breitere Lifestyle- und Esstrends widerspiegeln. Verbraucher weltweit bevorzugen leichtere Weinstile, Kombinationen mit Meeresfrüchten und entspanntere Anlässe zum Trinken, während jüngere Käufer oft Vielseitigkeit und sofortigen Genuss gegenüber langfristiger Lagerung priorisieren.

Obwohl Rotweine ein zentraler Pfeiler der Fine-Wine-Welt bleiben, deuten die jüngsten Handelszahlen darauf hin, dass der Markt ausgewogener ist als je zuvor in den letzten Jahrzehnten. Weißer Burgunder und Champagner sind keine Nischenkategorien mehr im Fine-Wine-Handel – sie prägen zunehmend die Richtung des Marktes selbst.

Quelle: Vinetur

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