Die Hawesko Holding SE, Europas führender Händler für Premium-Weine und Spirituosen, veröffentlichte am 12. August 2026 ihre Halbjahresergebnisse, und die Schlagzeile ist für den europäischen Weinhandel in diesem Jahr eine bekannte: Umsatzrückgang, Margenanstieg.
Belastet durch die verhaltene Konsumstimmung, geopolitische Unsicherheiten und einen strukturell schrumpfenden deutschen Weinmarkt, hat die Hamburger Unternehmensgruppe ihre Prognose für das Gesamtjahr 2026 gekürzt – obwohl Kostendisziplin und Effizienzprogramme sich sichtbar auszuzahlen beginnen.
Umsatzrückgang, aber Verbesserung der Ertragsqualität
Der Konzernumsatz belief sich im ersten Halbjahr 2026 auf 274,8 Millionen Euro, gegenüber 285,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum – ein Rückgang, den das Unternehmen hauptsächlich auf makroökonomische Gegenwinde und nicht auf unternehmensspezifische Schwächen zurückführt. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Bruttogewinnmarge auf 45,2 % stieg, gegenüber 43,9 % ein Jahr zuvor, was einen bewussten strategischen Kompromiss widerspiegelt: Das Management entschied sich, auf unrentable B2B-Umsätze (im Wert von rund 5 Millionen Euro) zu verzichten, zugunsten einer besseren Ertragsqualität.
Das operative EBIT für das Halbjahr lag bei 5,1 Millionen Euro, gegenüber 6,1 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025. Der Rückgang ist geringer, als der Umsatzrückgang vermuten ließe, was erneut auf echte Fortschritte bei Kosten und Effizienz hindeutet – ein Signal, das das Management gerne betonte.
| H1 2026 | H1 2025 | |
|---|---|---|
| Umsatzerlöse | 274,8 Mio. € | 285,1 Mio. € |
| Operatives EBIT | 5,1 Mio. € | 6,1 Mio. € |
| Bruttogewinnmarge | 45,2 % | 43,9 % |
Ein schwieriger deutscher Markt und ein struktureller Wandel im Trinkverhalten
Hawesko nahm kein Blatt vor den Mund, was das Umfeld angeht, in dem das Unternehmen agiert. Steigende Energiepreise treiben die Transportkosten direkt in die Höhe, während höhere Mindestlöhne sowie steigende Maut- und CO₂-Abgaben den Kostendruck weiter erhöhen. Auf der Nachfrageseite verweist das Unternehmen auf eine gedämpfte Konsumstimmung, eine historisch hohe Sparquote der Haushalte und – vielleicht am vielsagendsten – einen langfristigen strukturellen Trend zu sinkendem Alkoholkonsum. Diese Verschiebung zeigt sich in einem geringeren durchschnittlichen Ausgabebetrag pro Einkauf im gesamten Geschäft.
Das Ausmaß der Marktschwäche ist erheblich: Hawesko erwartet, dass der gesamte deutsche Weinmarkt in diesem Jahr um rund 6 % schrumpfen wird. Obwohl das Unternehmen Marktführer ist, erwartet es nun einen eigenen Umsatzrückgang von 2–4 %, ein Niveau, das es als relative Outperformance gegenüber einem schrumpfenden Sektor darstellt.
CEO Thorsten Hermelink fasste die Strategie zusammen: „Wir sind uns des schwierigen Marktumfeldes bewusst – deshalb konzentrieren wir uns vor allem auf Kosten- und Effizienzinitiativen, die zunehmend positive Effekte zeigen. Als Marktführer sind wir solide positioniert, um weiterhin in unser Geschäftsmodell zu investieren, einschließlich der Neukundengewinnung und des E-Commerce." (aus dem Original Deutsch paraphrasiert)
Segment für Segment: Einzelhandel stabil, B2B verbessert Qualität, E-Commerce braucht Operation
Der Einzelhandel (Jacques' und Wein & Co.) zeigte ein gemischtes Bild. Der Umsatz von Jacques' war mit einem Rückgang von nur 0,8 % nahezu stabil, unterstützt durch gezielte Neueröffnungen. Die österreichische Kette Wein & Co. verzeichnete jedoch einen deutlicheren Rückgang, beeinträchtigt durch schwache Online-Verkäufe und Anlaufschwierigkeiten bei einem Wechsel des Logistikdienstleisters im Juni. Insgesamt sank der Umsatz im Einzelhandelssegment um 1,5 % gegenüber dem Vorjahr.
Der B2B-Umsatz sank um 4,9 %, was jedoch größtenteils ein bewusstes Ergebnis war: Das Segment trennte sich von unrentablen Geschäften, um sein Margenprofil zu schärfen, insbesondere im On-Trade-/Gastronomiekanal, wo die Neukundengewinnung weiterhin im Fokus steht. Der Erfolg war klar – die operative EBITDA-Marge im B2B verbesserte sich auf 4,7 % (von 4,2 %), und das operative EBIT stieg von 2,4 Millionen Euro auf 2,6 Millionen Euro. Das Management beschrieb das Segment als "eindeutig auf dem richtigen Weg".
Der E-Commerce war der Ausreißer. Im Gegensatz zu Einzelhandel und B2B, die sichtbare Anzeichen einer Verbesserung zeigen, war Hawesko offen, dass sein Online-Geschäft weitreichendere Eingriffe benötigt. Ein umfassendes Maßnahmenpaket ist für Herbst 2026 geplant, das auf eine „deutlich schlankere Struktur“ abzielt, als Reaktion auf einen kontinuierlich schrumpfenden Online-Weinmarkt. Im Rahmen einer umfassenderen Logistikkonsolidierung werden alle Logistikaktivitäten schrittweise im Konzernlager in Tornesch zentralisiert, wobei die vollständige Migration für das erste Quartal 2027 angestrebt wird; einige Aktivitäten, die zuvor für den Standort Berlin vorgesehen waren, werden bereits in diesem Herbst nach Tornesch verlagert.
Bemerkenswert ist, dass Hawesko auch inmitten des Sparkurses weiterhin in die Zukunft investierte – im ersten Halbjahr 2026 wurden 1,5 Millionen Euro mehr als im Vorjahr für IT, künstliche Intelligenz und Werbung ausgegeben, speziell zur Unterstützung der Neukundengewinnung als Gegengewicht zur allgemeinen Nachfrageschwäche.
Prognose für GJ 2026 gesenkt
Da der Handel im dritten Quartal weiterhin unter den Erwartungen liegt und für den Rest des Jahres nur eine begrenzte saisonale Verbesserung erwartet wird, hat der Vorstand von Hawesko seine Prognose für das Gesamtjahr 2026 nach unten korrigiert:
| Kennzahl | Neue Prognose | Bisherige Prognose |
|---|---|---|
| Umsatz | 2–4 % Rückgang vs. 2025 (2025 Umsatz: 622 Mio. €) | Bis zu +2 % |
| Operatives EBIT (vor Einmaleffekten) | 23–26 Mio. € | 28–32 Mio. € |
| Einmalaufwendungen | Bis zu 4 Mio. € | Bis zu 2 Mio. € |
| Free Cashflow | 28–33 Mio. € | 30–36 Mio. € |
| ROCE | 9–11 % | 11–14 % |
Das Unternehmen nannte geopolitische Konflikte, steigende Preise und anhaltende Konsumzurückhaltung – zusätzlich zu einem insgesamt schrumpfenden Markt – als Gründe für den vorsichtigeren Ausblick für die zweite Jahreshälfte.
Das Gesamtbild
Die Halbjahresbilanz von Hawesko spiegelt ein Muster wider, das sich in diesem Jahr im gesamten europäischen Weinhandel zeigt: Umsatzdruck durch einen wirklich schwächer werdenden Konsum und einen langfristigen Rückgang des Alkoholkonsums, ausgeglichen – aber nicht vollständig – durch diszipliniertes Kostenmanagement und margenorientierte Portfoliobereinigung. Die Segmente Einzelhandel und B2B scheinen sich einigermaßen gut anzupassen und gewinnen sogar an Margenqualität, indem sie geringwertigere Umsätze abbauen. Der E-Commerce ist der klare Nachzügler, und das Management hat sich nun zu einer radikaleren Umstrukturierung in diesem Herbst verpflichtet. Angesichts der gesenkten Gesamtjahresprognose für alle wichtigen Kennzahlen – Umsatz, EBIT, Free Cashflow und ROCE – werden die nächsten Quartale zeigen, ob das Effizienzprogramm (FOKUS) von Hawesko und die fortgesetzten Investitionen in die Neukundengewinnung einen strukturell schrumpfenden Markt übertreffen können, bevor die Prognose erneut gesenkt werden muss.
Quelle: Hawesko Holding SE