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Von der ambitionierten Expansion zur Insolvenz – Aufstieg und Fall von Domaines Kilger

Als der bayerische Investor Hans Kilger 2015 die Domaines Kilger GmbH & Co KG gründete, war die Vision klar: die Revitalisierung traditioneller Weingüter und weinbezogener Betriebe in der österreichischen Südsteiermark.

Im Laufe der Jahre wurden fast 50 Millionen Euro in den Erwerb und die Wiedereröffnung von Landgütern, Gastronomiebetrieben und landwirtschaftlichen Flächen investiert.

Ein Jahrzehnt später ist diese Vision der finanziellen Realität gewichen.

Eine auf Expansion basierende Strategie

Kilgers Ansatz konzentrierte sich auf die Verbindung von Premium-Weinproduktion mit Tourismus, Gastronomie und Immobilien. Durch die Integration von Weingütern mit Restaurants, Landhäusern und Veranstaltungsorten wollte die Gruppe ein umfassendes Ökosystem für Weintourismus schaffen.

Dieses kapitalintensive Modell erforderte jedoch nachhaltiges Wachstum und einen starken Cashflow. Mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und steigenden Betriebskosten gerieten mehrere damit verbundene Projekte in Schwierigkeiten. Teilweise wurden zugesagte Folgeinvestitionen nicht getätigt, und einige verbundene Unternehmen mussten Insolvenz anmelden.

Strukturelle Herausforderungen und Überverschuldung

Die Bilanz des Konzerns verdeutlicht das Ausmaß der Herausforderung:

  • 80 Millionen Euro Schulden
  • Kumuliertes Defizit von 26,67 Millionen Euro für 2024
  • Negatives Eigenkapital von 18,56 Millionen Euro

Diese Zahlen deuten eher auf eine strukturelle Überschuldung als auf ein vorübergehendes Liquiditätsproblem hin. Ohne ausreichende operative Rentabilität wurde die diversifizierte Struktur finanziell nicht tragfähig.

Im Mittelpunkt des Insolvenzverfahrens stehen nun die Bewertung der Vermögenswerte, die Verhandlungen mit den Gläubigern und der mögliche Verkauf oder die Umstrukturierung einzelner Geschäftsbereiche.

Ein Test für das Südsteiermark-Modell

Die Südsteiermark hat sich längst als eine der dynamischsten Weintourismusregionen Österreichs positioniert. Der Zusammenbruch eines wichtigen Investors stellt die Stabilität dieses Modells auf die Probe.

Das Ergebnis wird voraussichtlich Einfluss auf künftige Investitionsstrategien in der Region haben. Kleinere, unabhängige Weingüter könnten von größerer Flexibilität profitieren, während groß angelegte, fremdfinanzierte Expansionsprojekte verstärkter Kontrolle unterliegen könnten.

Derzeit warten Mitarbeiter, Lieferanten und Partner auf Klarheit, während die Insolvenzverwalter die Vermögenswerte und Optionen des Konzerns prüfen. Ob Domaines Kilger die Restrukturierung teilweise überstehen kann – oder ein weiteres Beispiel für überambitioniertes Wachstum in einem sich verschärfenden Markt darstellt – bleibt ungewiss.

Quelle: VinoVistara

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