Der europäische Weinexportmotor verliert auch 2025 weiter an Dynamik, sowohl Italien als auch Frankreich verzeichnen Rückgänge bei Volumen und Wert.
Während die italienischen Zahlen für Oktober 2025 einen Rückgang der Exporte um 2,7 % im Wert auf 6,5 Milliarden Euro und um 1,4 % im Volumen auf 1,76 Milliarden Liter im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2024 auswiesen, bestätigt die Entwicklung in Frankreich, dass die Verlangsamung nicht länderspezifisch, sondern strukturell bedingt ist.
Laut FranceAgriMer gingen die französischen Weinexporte in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 mengenmäßig um 1 % auf 10,68 Millionen Hektoliter zurück, während der Wert um 3 % auf 9,35 Milliarden Euro sank. Diese Ergebnisse spiegeln die Entwicklung Italiens wider und bekräftigen die Annahme, dass Europas zwei führende Weinexporteure mit denselben schwierigen Rahmenbedingungen konfrontiert sind.
Eines der prägenden Merkmale des Jahres 2025 war die durch geopolitische und handelspolitische Unsicherheit ausgelöste Marktvolatilität. In den Vereinigten Staaten führte der vorsorgliche Lageraufbau im Vorfeld erwarteter Zölle zu einem Anstieg der Exporte im Januar und Februar. Nach der Einführung der Zölle Anfang April brachen die Exporte in die USA jedoch stark ein und blieben bis September schwach. Der amerikanische Markt, traditionell ein Wachstumsmotor für europäische Premiumweine, hat sich somit zu einer Belastung für die gesamte Exportleistung entwickelt.
Außerhalb der USA entwickeln sich die asiatischen Märkte weiterhin unterdurchschnittlich. China, einst ein Eckpfeiler der Exportstrategien Frankreichs und Italiens, befindet sich nach wie vor in einem starken Abwärtstrend. Die französischen Weinexporte nach China sanken bis 2024 um 36 % und setzten damit einen seit 2017 bestehenden Abwärtstrend fort. Wirtschaftliche Instabilität, schwaches Verbrauchervertrauen und die anhaltende Immobilienkrise haben die Weinnachfrage deutlich reduziert. Auch Reexportzentren wie Hongkong und Singapur wurden beeinträchtigt, was den Abschwung zusätzlich verstärkte.
Im Gegensatz dazu zeigen einige mittelgroße europäische Märkte Anzeichen einer Erholung des Exportvolumens, was sich jedoch nicht immer in einem höheren Wert niederschlägt. Der durchschnittliche Exportpreis für französischen Wein lag bei 8,75 Euro pro Liter und damit unter dem vorherigen Durchschnittswert, was den erneuten Preisdruck bestätigt. Wertverluste, und nicht allein das Exportvolumen, prägen zunehmend die Exportergebnisse.
Trotz der allgemeinen Konjunkturabschwächung ist die Entwicklung der einzelnen Kategorien uneinheitlich. Flaschenweine und Schaumweine verzeichneten beide ein Mengenwachstum von rund 5 % im Vergleich zum Vorjahr. Champagner erholte sich nach mehreren schwierigen Saisons mengenmäßig (+2 %), obwohl sein Marktanteil im Vergleich zu 2023 deutlich zurückging. Gleichzeitig sanken die durchschnittlichen Champagnerpreise stark um 7 % auf 11,60 Euro pro Liter, was eine Korrektur nach Jahren der Preissteigerungen signalisiert.
Insgesamt deutet die Exportlandschaft 2025 auf eine Phase der Neuausrichtung für europäischen Wein hin. Die Kombination aus schwächerer Nachfrage in Schlüsselmärkten, Handelshemmnissen und sinkenden Preisen lässt vermuten, dass der Sektor eher in eine Konsolidierungsphase als in eine Wachstumsphase eintritt.
Quelle: WineNews