Der Auftritt von Präsident Emmanuel Macron bei Wine Paris 2026 verdeutlichte nicht nur die innenpolitischen Herausforderungen für die französischen Winzer, sondern auch den wachsenden internationalen Druck, der den Sektor umgestaltet.
Während er die Rodung unrentabler Weinberge verteidigte, warnte Macron davor, dass der globale Wettbewerb, steigende Handelsbarrieren und sich wandelnde Konsumgewohnheiten Frankreich dazu zwingen, seine Weinstrategie zu überdenken.
Eine der dringlichsten Sorgen betrifft die Auswirkungen der erhöhten US-Zölle auf europäische alkoholische Getränke. Die USA erhöhten 2025 die Einfuhrzölle zunächst auf 10 % und später auf 15 %, was Frankreichs wichtigsten Exportmarkt erheblich beeinträchtigte. Offizielle Zahlen belegen, dass die französischen Exporte alkoholischer Getränke in die USA im vergangenen Jahr um 20 % auf 3,2 Milliarden Euro zurückgingen. Dieser Rückgang verschärft den Druck auf die Produzenten, die bereits mit einem Überangebot im Inland zu kämpfen haben.
Macron betonte die Notwendigkeit, die innereuropäischen Exporte zu stärken und gleichzeitig französische Interessen aktiv gegen, wie er es nannte, aggressive Handelspraktiken zu verteidigen. Gleichzeitig wies er auf Wachstumschancen in aufstrebenden und expandierenden Märkten wie Indien, Kanada und Brasilien hin, die durch die jüngsten Handelsabkommen der Europäischen Union leichter zugänglich geworden seien. Diversifizierung, so argumentierte er, werde immer wichtiger und nicht mehr optional.
Während seines Besuchs würdigte Macron auch die symbolische und wettbewerbsbezogene Herausforderung durch neue Weinbauländer. Nachdem ihm eine Magnumflasche chinesischen Weins überreicht worden war, bemerkte er, dass China gelernt habe, wettbewerbsfähige Weine herzustellen – eine Feststellung, die den zunehmenden globalen Wettbewerb nicht nur im Hinblick auf die Menge, sondern immer mehr auch auf die Qualität unterstreicht.
Die Wine Paris 2026 spiegelte den Wandel der Branche wider. Erstmals gab es auf der Messe einen eigenen Bereich für alkoholfreie und alkoholreduzierte Weine und Spirituosen. Dieser Schritt trägt der steigenden Nachfrage gesundheitsbewusster Konsumenten und jener Rechnung, die ihren Alkoholkonsum reduzieren oder ganz darauf verzichten. Die Präsenz dieser Produkte auf einer der führenden internationalen Weinmessen signalisiert einen bedeutenden Wandel in der Zukunftsvision der Branche.
Neben den politischen Ankündigungen gab es bei Macrons Besuch auch heitere Momente, darunter Geschenke von Ausstellern, die auf seinen kürzlich viral gegangenen Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos anspielten. Die Kernbotschaft blieb jedoch ernst: Der französische Weinsektor steht an einem Scheideweg; Anpassung, Innovation und eine Neupositionierung am Markt werden seine langfristige Widerstandsfähigkeit bestimmen.
Quelle: VinoVistara