Nach zwei Jahren stetigen Rückgangs zeigt der US-Weinmarkt endlich Anzeichen einer Erholung.
Laut einem umfassenden Bericht von Gomberg-Fredrikson & Associates – einem Branchenanalyseunternehmen mit Wurzeln im Jahr 1948 – stiegen die Lieferungen von Wein im Inland und aus dem Ausland im ersten Quartal 2025. Der Bericht, der auf offiziellen Daten des Alcohol and Tobacco Tax & Trade Bureau (TTB) basiert, zeigt einen deutlichen Anstieg der Lieferungen von 127,3 Millionen Kisten im Februar 2024 auf 134,4 Millionen Kisten im Februar 2025.
Bestandsmanagement und Marktstabilisierung
Jon Moramarco, Partner bei Gomberg-Fredrikson und Geschäftsführer von bw166, führt einen Teil dieser Erholung auf frühere Lagerbestandsreduzierungen zurück. Diese Maßnahmen, die während des Marktabschwungs 2022/23 umgesetzt wurden, trugen dazu bei, den Rückgang einzudämmen und die Voraussetzungen für eine reibungslosere Erholung zu schaffen. Auch das Importwachstum – plus 8,6 % – spielte eine entscheidende Rolle, da US-Käufer mögliche Zollanpassungen antizipierten und europäische Weine einlagerten, selbst angesichts der weiterhin geltenden 10-prozentigen Zölle auf EU-Importe.
Umsatzwachstum durch Inflation und Direktvertrieb getrieben
Das Umsatzwachstum untermauert den vorsichtigen Optimismus. Laut dem US Bureau of Economic Analysis (BEA) erreichte der Gesamtumsatz der Weinbranche im Jahr 2024 109 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 3,42 % gegenüber 105,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023. Ein Teil dieses Zuwachses ist zwar auf die Inflation und steigende Durchschnittspreise für Flaschen zurückzuführen, doch Moramarco betont, wie wichtig es ist, das gesamte Marktspektrum zu berücksichtigen – einschließlich des Direktvertriebs an Endverbraucher über Weingüter, Online-Plattformen und private Veranstaltungen. Diese Vertriebskanäle werden von herkömmlichen Analysemethoden, die auf Daten von Kassenscannern basieren, oft nicht erfasst.
Innenpolitische Konflikte und Sektorfragmentierung
Trotz positiver Signale bestehen weiterhin Herausforderungen. Die Inlandsweinlieferungen gingen 2024 um 9,1 % zurück, das Gesamtliefervolumen sank um 4,1 %. Dies verdeutlicht die fragmentierte Marktlage: Während einige Weingüter mit Wachstum rechnen – 62 % erwarten höhere Umsätze im Jahr 2025 –, sehen sich andere mit Unsicherheit konfrontiert. Der BMO-Weinmarktbericht 2025 verzeichnet einen Anstieg an zum Verkauf stehenden Weingütern und an unverkauften Ernten infolge von Vertragsstornierungen.
Veränderte Demografie und Konsumgewohnheiten
Entscheidend ist, dass sich das Konsumverhalten in den USA wandelt. Die alternde Babyboomer-Generation trinkt weniger Wein, und die Generation Z konsumiert deutlich weniger Alkohol als frühere Generationen. Diese demografischen Veränderungen zwingen die Produzenten, Markenbildung, Verpackung und Vertrieb zu überdenken. Leichtere Formate, alkoholärmere Varianten, Nachhaltigkeit und digitale Angebote werden immer wichtiger, um den modernen Weinkonsumenten zu erreichen.
Ausblick: Chancen durch Anpassung
Obwohl externe Unsicherheiten – darunter regulatorische Änderungen und globaler Wettbewerb – weiterhin bestehen, steht die US-Weinindustrie an einem Wendepunkt. Dank eines wachsenden Umsatzanteils aus digitalen und Direktvertriebskanälen und einer stabilisierten Lieferkette bietet das Jahr 2025 neue Chancen für Innovationen. Weingüter, die bereit sind, sich an die sich wandelnden Verbraucherpräferenzen anzupassen, ihre Vertriebsstrategien zu diversifizieren und neue Technologien zu nutzen, sind bestens gerüstet, um das nächste Kapitel der amerikanischen Weingeschichte zu gestalten.
Quelle: Vinetur