In den letzten Jahrzehnten hat die globale Weinindustrie einen bemerkenswerten Wandel der Verbraucherpräferenzen erlebt, der sich durch eine signifikante Verschiebung der Produktions- und Konsummuster von Weinen in verschiedenen Kategorien – Rot-, Weiß- und Roséweinen – auszeichnet.
Diese Entwicklung spiegelt den Wandel des Geschmacks und der Marktdynamik wider, beeinflusst von kulturellen Verschiebungen, wirtschaftlichen Faktoren und neuen Trends im Getränkesektor.
Rotwein: Abnehmende Dominanz
Rotwein, traditionell das Rückgrat der Weinproduktion, verzeichnete in den letzten zwanzig Jahren einen stetigen Rückgang sowohl in der Produktion als auch im Konsum. Weltweit erreichte die Rotweinproduktion 2004 ihren Höhepunkt und ist seither um 25 % gesunken. Um die Jahrhundertwende machten Rotweine fast die Hälfte der weltweiten Weinproduktion (48 %) aus, doch in den letzten Jahren ist dieser Anteil auf 43 % zurückgegangen.
Produktion: Der Rückgang der Rotweinproduktion ist in wichtigen europäischen Weinbauländern wie Frankreich und Italien besonders ausgeprägt, die ihre Produktion deutlich reduziert haben. Nicht-europäische Länder wie Chile, Argentinien und die USA konnten diese Verluste jedoch teilweise durch positive Wachstumsraten in der Rotweinproduktion ausgleichen.
Konsum: In großen europäischen Märkten wie Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien ist die Nachfrage nach Rotwein seit dem Jahr 2000 rückläufig, was zum allgemeinen Rückgang des Konsums beigetragen hat. Im Gegensatz dazu ist in Ländern wie China, den USA, Russland und Brasilien ein steigendes Interesse an Rotwein zu verzeichnen, wodurch sich die globalen Konsummuster verändern.
Weißwein: Steigende Beliebtheit
Im Gegensatz zu Rotwein erlebt Weißwein weltweit einen Aufschwung in Produktion und Konsum. Die Produktion ist seit ihrem Tiefpunkt im Jahr 2002 um 13 % gestiegen und hat die Rotweinproduktion seit 2013 übertroffen. Zu Beginn des Jahrhunderts machte Weißwein 46 % der Weltproduktion aus, mittlerweile sind es 49 %, was vor allem auf die Beliebtheit von Schaumweinen zurückzuführen ist.
Produktion: Zu den wichtigsten Wachstumstreibern der Weißweinproduktion zählen Italien, angetrieben durch den weltweiten Erfolg von Prosecco, sowie die USA, Südafrika und Australien. Länder wie Frankreich und Spanien konnten ihre Produktionsmengen über den gesamten Zeitraum hinweg stabil halten.
Konsum: Der Anstieg des Weißweinkonsums wird vorwiegend von großen Schaumweinmärkten wie den USA, Deutschland und Großbritannien getragen. Trotz rückläufiger Konsumzahlen in traditionellen Weinländern wie Frankreich und Spanien hat die robuste Nachfrage in diesen Märkten die Gesamtkonsumzahlen gestützt.
Roséwein: Aufstrebender Favorit
Roséwein hat sich auf dem globalen Weinmarkt zu einem echten Star entwickelt und verzeichnet ein signifikantes Wachstum sowohl in der Produktion als auch im Konsum. Von 2001 bis 2021 stieg die weltweite Roséproduktion um 25 %, und sein Anteil an der globalen Produktion erhöhte sich von 6–7 % auf über 8 %.
Produktion: Die Roséweinproduktion konzentriert sich stark auf wenige Hauptproduzentenländer, wobei Frankreich in der nördlichen Hemisphäre führend ist. Länder wie Chile und Südafrika verzeichneten in den letzten zwei Jahrzehnten ebenfalls bemerkenswerte Wachstumsraten in der Roséweinproduktion.
Konsum: Ähnlich wie bei Weißweinen wird der steigende Rosé-Konsum durch die erhöhte Nachfrage in wichtigen Märkten wie Großbritannien, Deutschland und den USA angetrieben. Frankreich ist nach wie vor der weltweit größte Rosé-Konsument und trägt maßgeblich zum Gesamtkonsum bei.
Abschluss
Die sich wandelnde Landschaft des globalen Weinkonsums verdeutlicht einen klaren Trend hin zu Weiß- und Roséweinen, während Rotweine rückläufige Absatzzahlen verzeichnen. Dieser Wandel wird durch verschiedene Faktoren bedingt, darunter veränderte Verbraucherpräferenzen, wirtschaftliche Entwicklungen und der Aufstieg von Schaumweinen innerhalb der Weißweinkategorie. Um diese Veränderungen zu bewältigen, ist es für die Branche und ihre Akteure entscheidend, diese Konsumtrends zu verstehen, damit sie ihre Strategien anpassen und den sich wandelnden Marktanforderungen effektiv gerecht werden können.
Quelle: OIV