Die globale Weinindustrie sieht sich einem zunehmend komplexen Umfeld gegenüber, da sich die Konsumtrends verändern und demografische Veränderungen neue Herausforderungen mit sich bringen.
Laut dem kürzlich von IWSR veröffentlichten Bericht „Global Wine Trends Executive Summary 2024“ werden die Weinmengen in wichtigen Märkten in den nächsten Jahren weiter sinken. Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen und des allgemeinen Abwärtstrends bieten sich Erzeugern jedoch weiterhin Chancen, jüngere und experimentierfreudigere Konsumenten anzusprechen.
Sinkender Konsum und eine alternde Verbraucherbasis
Die größte Herausforderung für die Weinbranche ist der rückläufige Konsum, insbesondere in etablierten Märkten. Richard Halstead, Chief Operating Officer für Consumer Insights und Custom Analytics bei IWSR, hebt die Schwierigkeit hervor, genügend junge Konsumenten im gesetzlichen Trinkalter zu gewinnen. Ältere Konsumenten bleiben zwar treu, geben aber tendenziell weniger Geld aus und zeigen ein geringeres Interesse an Wein.
Verschärft wird das Problem durch einen globalen Trend sinkenden Alkoholkonsums, der auf finanzielle Sorgen, veränderte soziale Gewohnheiten und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein zurückzuführen ist. Daten des IWSR zeigen, dass allein in China der Absatz von Stillwein zwischen 2018 und 2023 um fast 100 Millionen Kisten zurückging. In den zehn größten Weinmärkten der Welt gehen 80–90 % der Konsumenten, die ihren Weinkonsum reduziert haben, davon aus, diesen beizubehalten oder weiter zu senken.
Wirtschaftlicher Druck und Premiumisierung
Finanzielle Zwänge verändern auch den Weinmarkt. Der Rückgang des Weinkonsums war im unteren Preissegment am deutlichsten zu spüren: Der weltweite Absatz von preiswerten Weinen sank zwischen 2021 und 2023 um 27 %. Prognosen des IWSR deuten darauf hin, dass nur im Premium- und gehobenen Preissegment zwischen 2025 und 2027 wieder Wachstum zu erwarten ist.
Da Konsumenten mehr für Wein ausgeben, legen sie Wert auf höhere Qualität und Authentizität. Kaufentscheidungen werden zunehmend von Empfehlungen, Informationen auf dem Etikett und dem Ruf der Marke beeinflusst. Diese Entwicklung bietet Weingütern, die ihre Geschichte und ihre Alleinstellungsmerkmale wirkungsvoll kommunizieren können, eine Chance.
Der Aufstieg der Millennial-Konsumenten
Während jüngere Generationen nur langsam in die Welt des Weins einsteigen, erweisen sich die Millennials (Ende 20 bis Anfang 40) als wertvolle Konsumentengruppe. Diese Gruppe interessiert sich stärker für Wein, experimentiert gerne mit verschiedenen Sorten und ist bereit, mehr für Premiumprodukte auszugeben.
Die IWSR-Studie zeigt, dass Millennials ein breiteres Spektrum an Vertriebskanälen nutzen, intensive Erlebnisse suchen und positiv auf Marken reagieren, die ihren Werten entsprechen. Dies eröffnet Weingütern neue Möglichkeiten, durch Storytelling, Weinclubs, Pop-up-Events und digitales Marketing mit ihrer Zielgruppe in Kontakt zu treten.
Innovation und Nachhaltigkeit als Wachstumstreiber
Trotz der Herausforderungen bleibt Innovation ein wichtiger Wachstumstreiber. Das Segment der alkoholfreien und alkoholarmen Weine hat ein signifikantes Wachstum erfahren, wobei alkoholfreier Schaumwein das Segment dominiert und alkoholarmer Stillwein von 2018 bis 2023 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von +22 % zulegte. Prognosen deuten auf ein weiterhin starkes Wachstum bis 2028 hin.
Zudem gewinnen Bio-, Natur- und nachhaltige Weine zunehmend an Beliebtheit, insbesondere bei jüngeren Konsumenten, die Wert auf Umweltverantwortung legen. Die Generation Z und die Millennials sind sich jedoch des „Greenwashings“ sehr bewusst und bevorzugen Marken, bei denen Nachhaltigkeit ein zentraler Bestandteil ihrer Identität ist und nicht nur eine Nebensache.
Zukunftsaussichten: Anpassung an einen sich verändernden Markt
Trotz anhaltender struktureller Herausforderungen bieten sich Weingütern klare Wege, um im sich wandelnden Markt erfolgreich zu sein. Entscheidend werden die Gewinnung jüngerer, kaufkräftiger Konsumenten, die Förderung nachhaltiger und alkoholfreier/alkoholarmer Alternativen sowie die Nutzung von Premiumisierungstrends sein. Die Weinbranche muss diese Veränderungen meistern, indem sie sich auf Authentizität, Storytelling und innovative Erlebnisse konzentriert, die die nächste Generation von Weintrinkern begeistern.
Quelle: IWSR