Im Verlauf der Verkostungssaison des Jahrgangs 2025 auf der Südhalbkugel verliefen die ersten Qualitätsbewertungen vielversprechend.
Weingüter und Produzenten in wichtigen Anbaugebieten berichten von positiven Frühindikatoren für die Weinqualität, insbesondere in etablierten Exportmärkten wie Chile, Argentinien, Südafrika und Neuseeland. Hinter diesem optimistischen Jahrgangsausblick verbirgt sich jedoch ein globaler Weinmarkt, der weiterhin mit einem Überangebot, einer schwachen Verbrauchernachfrage und sich wandelnden Konsumtrends zu kämpfen hat.
Momentum-Stichprobe bei vorsichtiger Nachfrage
Der Großteil der Verkostungsaktivitäten wird derzeit von etablierten Käufern durchgeführt – Importeuren und Einzelhändlern mit langjährigen Einkaufsprogrammen und Ausschreibungen. Neues internationales Interesse ist jedoch weiterhin gering. Trotz günstiger Produktionsbedingungen in den meisten Regionen operiert der Weinhandel nach wie vor in einem Rahmen minimaler spekulativer Käufe und verhaltener Neukundengewinnung.
Chile und Neuseeland stechen hinsichtlich ihrer Erntemengen hervor, jedoch aus sehr unterschiedlichen Gründen. Chile verzeichnet aufgrund widriger Wetterbedingungen eine um schätzungsweise 25 % unterdurchschnittliche Ernte. Dieser Mangel veranlasste inländische und internationale Käufer zu schnellem Handeln, um sich die verfügbaren Partien frühzeitig zu sichern. Neuseeland hingegen meldet eine Rekordernte, die so ergiebig war, dass aufgrund hoher Lagerbestände aus früheren Jahrgängen ein Teil der Früchte nicht geerntet werden konnte.
Nordhalbkugel: Stabile, aber gedämpfte Aktivität
Unterdessen entwickeln sich die Märkte für Fassweine auf der Nordhalbkugel weiterhin verhalten. Die Aktivität ist zwar stabil, aber es fehlt ihr an Dynamik, da Kaufentscheidungen größtenteils von unmittelbaren Bedürfnissen und weniger von langfristigen Verträgen bestimmt werden. Käufer bestellen vorwiegend kleine Mengen just-in-time, was die allgemeine Unsicherheit hinsichtlich der Konsumtrends und des Bestandsmanagements widerspiegelt.
Auf beiden Hemisphären unterstreicht das Ausbleiben eines signifikanten Markteintritts neuer Käufer, dass sich der globale Markt nach Jahren der Überproduktion, Inflation und des sich wandelnden Konsumverhaltens immer noch selbst korrigiert.
Herausforderungen im Einzelhandel: Ein schrumpfendes Weinregal
Der Weinabsatz im Einzelhandel, insbesondere in Nordamerika und Europa, erholt sich nur schwer vom Niveau vor der Pandemie. In einigen Ländern verzeichnet er bereits das vierte Jahr in Folge rückläufige oder stagnierende Umsätze. Einzelhändler reduzieren zunehmend ihr Weinsortiment und nutzen wertvolle Regalfläche für alternative alkoholische Getränke wie trinkfertige Cocktails, Bier oder Spirituosen.
Laut dem Ciatti California Report bleibt der Konsum von nicht lebensnotwendigen Gütern unter Druck, da viele Verbraucher ihre Ausgaben für nicht unbedingt notwendige Produkte überdenken. Die Generation Z – alle Weintrinker unter 28 Jahren – scheint sich deutlich von der traditionellen Weinkultur abzuwenden und bevorzugt Getränke, die als moderner, gesundheitsbewusster oder praktischer gelten.
Weltweiter Konsum rückläufig, Präferenzen verschieben sich
Vorläufige Schätzungen der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) gehen davon aus, dass der weltweite Weinkonsum im Jahr 2024 um 22 Millionen Hektoliter niedriger ausfallen wird als 2019 – eine Menge, die der Hälfte der durchschnittlichen jährlichen Weinlese Italiens oder der gesamten kalifornischen Produktion entspricht. Dieser deutliche Rückgang hat Erzeuger und Händler gezwungen, ihr Angebot und ihre Marktstrategien anzupassen.
Eine bemerkenswerte Veränderung ist die gestiegene Nachfrage nach leichteren Weinen mit niedrigerem Alkoholgehalt. Weißweine, Roséweine und Schaumweine erfreuen sich weltweit wachsender Beliebtheit. Selbst in traditionellen Rotweinhochburgen wie Argentinien umfassen die Anfragen aus skandinavischen Märkten mittlerweile auch Rosé-, Weiß- und Schaumweine – ein Beleg für die veränderten Verbraucherpräferenzen, denen Frische, ein niedrigerer Alkoholgehalt und vermeintliche gesundheitliche Vorteile wichtiger sind.
Weine mit niedrigem Alkoholgehalt (6–10,5 % vol.) und alkoholfreie Weine sind kleine, aber schnell wachsende Segmente, die sowohl durch das Interesse der Verbraucher als auch durch regulatorische Änderungen, wie beispielsweise das überarbeitete Alkoholsteuersystem in Großbritannien, das Anreize für Weine mit niedrigerem Alkoholgehalt bietet, getrieben werden.
Ausblick für den Weinberg: Kosten, Wetter und Pflanzenmanagement
Mit Beginn des Sommers auf der Nordhalbkugel präsentiert sich der Zustand der Weinberge im Allgemeinen positiv. Allerdings dürften menschliche Entscheidungen – mehr als natürliche Gegebenheiten – die endgültigen Erträge beeinflussen. Finanzieller Druck veranlasst einige Winzer, bei der Pflege ihrer Weinberge Kosten zu sparen, während in Regionen wie Kalifornien strategische Traubenausdünnungen vorgenommen werden, um das Traubenangebot an die gesunkene Nachfrage anzupassen.
Mit Blick auf die späten Rotweine des Jahrgangs 2025 der Nordhalbkugel – die Anfang 2026 erwartet werden – besteht die Hoffnung, dass sich die Marktgrundlagen verbessert haben. Das aktuelle Preis-Leistungs-Verhältnis für Fassweine ist günstig, und die Erzeuger hoffen, dass sich dieser Wert in wieder anziehenden Verkäufen niederschlägt.
Frankreich:
- Lagerbestände: Die Lagerbestände an Fassweinen in Südfrankreich sind trotz einer um 17 % geringeren Ernte im Jahr 2024 weiterhin hoch.
- Verfügbarkeit: Alle Weine verfügbar; nur Pinot Noir und Premium-Rosé des Jahrgangs 2024 sind nur eingeschränkt erhältlich.
- Preisgestaltung: Niedrig und verhandelbar, möglicherweise unterbieten sie die Preise in Spanien und Italien; günstig für die Verladung vor der Ernte.
- Kaufgelegenheit: Ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis; günstiger Zeitpunkt zur Sicherung einer mehrjährigen Versorgung.
- Aufstrebende Quelle: Die Cognac-Region zeigt vielversprechende Ansätze für generische Weißweine.
- Zustand der Weinberge: Auf einen nassen Frühling folgt ein heißer, feuchter Sommer; die Weinberge sind in gutem Zustand.
Spanien:
- Preisgestaltung: Die Preise für Wein in großen Mengen haben sich abgeschwächt, ein weiterer Rückgang ist im Jahr 2025 jedoch unwahrscheinlich.
- Lagerbestand: Der Gesamtbestand liegt 10 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt.
- Ernteaussichten: Für 2025 wird eine gute Ernte erwartet.
- Käuferhinweis: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sich Weine zu sichern, solange diese noch in voller Menge verfügbar sind.
- GJC & Moste: Die Preise für sulfatierten Most haben sich entspannt; GJC dürfte 2025 gegenüber Italien wettbewerbsfähig sein.
Italien:
- Auswirkungen auf den Handel: Die US-Nachfrage wurde durch einen 10%igen Einfuhrzoll und einen schwächeren Dollar reduziert.
- Nachfrage in der EU: Langsamer, insbesondere aus Deutschland und Großbritannien.
- Exporte: Abfüllungen von Prosecco und Pinot Grigio DOC im Mai um 6 % gesunken.
- Preisgestaltung: Die Preise für Großabnehmer bleiben stabil.
- Angebot: Weißwein und GJC nur begrenzt verfügbar; Rotwein ist aufgrund der schwachen Nachfrage besser erhältlich.
- Zustand der Weinberge: Im Allgemeinen gut, jedoch bestehen Bedenken hinsichtlich der Trockenheit in Apulien und Sizilien.
Kalifornien:
- Preisgestaltung: Der Mindestpreis von 2,00 USD/Gallone sinkt; die meisten Weine liegen preislich auf oder nahe dem Niveau von Weinen mit der Herkunftsbezeichnung „California“, mit Ausnahme einiger Premium-Weine von der Küste.
- Vorteile: Wettbewerbsfähige Preise sowohl für mittlere als auch für Standard-Exportprogramme; mehrjährige Verträge verfügbar.
- Produktpalette: Auch alkoholarme und alkoholfreie Weine im Angebot.
- Ernteaussichten: Das Erntepotenzial für 2025 ist gut, jedoch wird die Gesamtmenge aufgrund der Stilllegung der Weinberge und der Traubenausdünnung wegen der geringen Nachfrage nach Trauben begrenzt sein.
Argentinien:
- Erntemenge 2025: 1,98 Millionen Tonnen, im Einklang mit dem langjährigen Durchschnitt.
- Angebotsaussichten: Über 1,0 Milliarden Liter neuer Wein zuzüglich geschätzter Restbestände von 630 Millionen Litern (Stand: Juni).
- Preisgestaltung: Im Vergleich zum Vormonat stabil, niedriger als vor einem Jahr und verhandelbar.
- Wettbewerbsfähigkeit: Weltweit preislich wettbewerbsfähig im Vergleich zu herkömmlichen Rot- und Weißweinen sowie Weißweintraubensaftkonzentrat (GJC).
- Nachfragetrends: Stetige internationale Nachfrage mit zunehmendem Interesse an Weinen mit niedrigerem Alkoholgehalt (einschließlich Malbec), Weißweinen und Roséweinen.
- Währung: Der Peso notiert nach der Aufhebung der Devisenkontrollen im April stabil bei rund 1.200 ARS/USD.
Chile:
- Erntemenge 2025: Schätzungsweise 25 % unter dem Durchschnitt, was zu einem geringeren Angebot führt.
- Lagerlage: Alle Weine und GJCs sind noch verfügbar, aber weiße Rebsorten und No-Name-Produkte sind bereits knapp.
- Preisgestaltung: Stabil auf hohem Niveau; kann mit sinkenden Lagerbeständen steigen.
- Käuferaktivität: Langjährige Kunden werden priorisiert; aktive Produktproben werden sowohl von internationalen als auch von inländischen Käufern vernommen.
- Währung: Der Peso notiert seit Anfang Mai stabil bei rund 940 CLP/USD.
- Ausblick: Rodungen in Weinbergen und Niederschlagsdefizite geben Anlass zur Sorge um die Ernte 2026.
Südafrika:
- Vintage Größe & Qualität: Die Ernte 2025 ist 11% größer als die von 2024 und von ausgezeichneter Qualität.
- Verfügbarkeit: Gutes Angebot an allen gängigen und sortenreinen Weinen, einschließlich Roséweinen; am knappsten ist Pinot Grigio.
- Preisentwicklung: Seit Februar/März stabil; Rand schwächer gegenüber Euro und Pfund Sterling, etwas stärker gegenüber US-Dollar.
- Nachfrage: Stetiges internationales Interesse, vorwiegend von langfristigen Käufern; US-Nachfrage durch Unsicherheit bezüglich der Zölle beeinträchtigt.
- Probenahme & Logistik: Probenahme läuft; Verladung verläuft reibungslos.
Australien:
- Marktaktivität: Ruhiger Markt für Fassweine; Verkostungen des Jahrgangs 2025 haben begonnen.
- Verfügbarkeit: Einstiegs-Weißweine des Jahrgangs 2025 sind problemlos erhältlich.
- Unternehmensnachrichten: Treasury Wine Estates hat die EBIT-Prognose aufgrund des schwierigen US-Marktes nach unten korrigiert.
- Branchenwandel: Vinarchy entstand aus den Weinsparten von Accolade und Pernod Ricard und konzentriert sich auf Premium- und Schaumweine.
Neuseeland:
- Erntemenge: Für 2025 wird eine große Ernte erwartet.
- Preisgestaltung: Leichtere Preise für Aktien der Jahre 2023 und 2024.
- Qualität: Hohe internationale Anerkennung für Rotweine sowie für den charakteristischen Sauvignon Blanc.
Fazit: Verheißungsvolles Potenzial im Weinbau, Unsicherheit am Markt
Während erste Anzeichen aus der Südhemisphäre auf einen vielversprechenden Jahrgang 2025 hindeuten, steht die globale Weinindustrie weiterhin vor strukturellen Herausforderungen. Von der Rationalisierung des Einzelhandels über veränderte Verbraucherpräferenzen bis hin zum Aufkommen alkoholarmer und alkoholfreier Alternativen – die Lage ist im Wandel. Ein vorsichtiger Optimismus, basierend auf qualitativ hochwertiger Produktion und Anpassungsfähigkeit, herrscht vor, doch solange die Kernnachfrage nicht wieder anzieht, wird der Markt für Fassweine unter Druck bleiben.
Quelle: Ciatti