Der aktuelle IWSR Bevtrac 2024 Wave 2 Bericht hebt einen grundlegenden Wandel im globalen Alkoholkonsum hervor, wobei Mäßigung zu einem langfristigen Verhalten und nicht zu einem vorübergehenden Trend wird.
Während es 2023 einen vorübergehenden Anstieg bei der vollständigen Abstinenz gab, wenden die Konsumenten im Jahr 2024 flexiblere Strategien an, wie z. B. die Reduzierung der Konsumhäufigkeit, die Beschränkung des Konsums auf Anlässe mit nur einer Produktkategorie und die Wahl alkoholfreier Alternativen.
Leichte Trinkgewohnheiten gewinnen an Bedeutung
Der Bericht zeigt, dass Gelegenheitskonsumenten – also diejenigen, die nur selten und in geringen Mengen Alkohol konsumieren – mittlerweile in 15 Schlüsselmärkten das größte Konsumentensegment darstellen und damit die mittleren und starken Konsumenten überholt haben. Dieser Wandel ist besonders bei jüngeren Konsumenten ab dem gesetzlichen Trinkalter (LDA+) deutlich zu beobachten.
Vorübergehende Abstinenz: Eine wichtige Strategie zur Mäßigung
Vorübergehende Abstinenz ist ein wachsender Trend, insbesondere unter jüngeren Generationen. In Indien gaben 71 % der wohlhabenden Konsumenten in Großstädten an, für einen bestimmten Zeitraum auf Alkohol verzichtet zu haben – die höchste Rate unter den befragten Ländern. Ähnliche Muster zeigten sich in Südafrika, Mexiko und Brasilien, wo über die Hälfte der Konsumenten zeitweise abstinent lebten.
Der Aufstieg von Anlässen mit nur einer Kategorie
Konsumenten bevorzugen zunehmend Getränke, die nur einer Kategorie zugeordnet sind, d. h. sie bleiben bei einem Anlass bei einer einzigen alkoholischen Getränkeart. Die durchschnittliche Anzahl der konsumierten Kategorien pro Anlass sank von 2,4 im Jahr 2023 auf 1,8 im Jahr 2024. Aktuell werden bei 66 % der Anlässe nur Getränke einer Kategorie konsumiert, gegenüber 49 % im Vorjahr. Bier ist nach wie vor das beliebteste Getränk dieser Kategorie.
Alkoholfreie Getränke florieren
Der Markt für alkoholfreie Getränke wächst weiter: In wichtigen Märkten greifen bereits 26 % der Konsumenten zu alkoholfreien Alternativen. Spanien (40 %) und Deutschland (44 %) sind führend, während sich die Nutzung in Nordamerika im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt hat. Weltweit dominieren alkoholfreie Biere, während alkoholfreie Spirituosen in den USA, Deutschland und Großbritannien immer beliebter werden.
Gesundheit und Wohlbefinden treiben den Wandel voran
Gesundheitsbewusstsein ist weiterhin der Hauptgrund für einen maßvollen Alkoholkonsum. Über 41 % derjenigen, die auf Alkohol verzichten, wählen diese Produkte, um ihre Ziele der Mäßigung zu unterstützen, während 35 % praktische Vorteile wie die Vermeidung von Kater oder den Erhalt der Fahrtüchtigkeit angeben. Darüber hinaus wünschen sich die Verbraucher mehr Vielfalt bei Geschmacksrichtungen und Darreichungsformen, was das Wachstum des Segments alkoholfreier Getränke weiter ankurbelt.
Auswirkungen auf die Getränkeindustrie
Während der Alkoholkonsum insgesamt wieder auf dem langjährigen Niveau liegt, hat sich das Konsumverhalten verändert. Die Branche steht vor einer neuen Herausforderung: Da die Menschen pro Anlass weniger trinken und sich auf bestimmte Getränkekategorien beschränken, verschärft sich der Wettbewerb um den ersten Drink des Abends. Um trotz der begrenzten Auswahl zufrieden zu sein, legen Konsumenten Wert auf qualitativ hochwertigere und zuverlässigere Getränke, oft zu höheren Preisen.
Laut Richard Halstead, COO der Verbraucherforschung bei IWSR, „wird die Reduzierung des Konsumvolumens und die Verwendung mehrerer Getränkekategorien bei einer Veranstaltung den Wettbewerb um das ‚erste Getränk‘ – das möglicherweise das einzige des Abends ist – verschärfen. Diese Entwicklung dürfte den Trend zu höherwertigen Getränken beschleunigen und somit das Risiko von Enttäuschungen verringern.“
Da Strategien zur Mäßigung des Alkoholkonsums immer mehr zum Standard werden, muss sich die Getränkeindustrie an das sich wandelnde Konsumverhalten anpassen und dabei sowohl bei alkoholischen als auch bei alkoholfreien Getränken auf Premiumisierung, Vielfalt und Innovation setzen.
Quelle: IWSR