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Ein Jahrzehnt IWSR-Weinmarktbeobachtung: Erkenntnisse und neue Trends

Da das IWSR Compass-Modell sein zehnjähriges Bestehen feiert und den globalen Weinmarkt erfasst, verfügen wir über Daten aus einem ganzen Jahrzehnt, die die Entwicklung des Weins in verschiedenen Märkten widerspiegeln.

Das Compass-Modell, ein robustes Messinstrument, bewertet die relative Attraktivität globaler Märkte für Still- und Schaumweine anhand umfassender sozioökonomischer Indikatoren und Kennzahlen des Weinmarktes. Diese Methode ermöglicht es der Weinbranche, langfristige Trends und unerwartete Entwicklungen zu erkennen und so strategische Entscheidungen für Unternehmen weltweit zu treffen.

Die Weinbranche hat sich im letzten Jahrzehnt durch makroökonomische Faktoren, verändertes Konsumverhalten und sich weiterentwickelnde internationale Regulierungen grundlegend gewandelt. Lassen Sie uns einige dieser Faktoren und ihre Auswirkungen auf die weltweiten Weinmärkte näher betrachten.

Wichtigste wirtschaftliche und soziale Faktoren, die die Weinindustrie prägen

1. Hohe Inflation und ihre anhaltenden Auswirkungen

In den vergangenen Jahren hat die Inflation die globalen Alkohol- und Gastgewerbebranchen grundlegend verändert. Da die Inflation die Kaufkraft der Haushalte schmälert, sind die Verbraucher beim Weinkauf wählerischer geworden und legen mehr Wert auf Qualität als auf Quantität oder greifen zu günstigeren Alternativen. Auch wenn sich die Inflation in einigen Märkten stabilisiert, bleibt ihr Einfluss bestehen, insbesondere im Hinblick auf veränderte Ausgabegewohnheiten und einen vorsichtigeren Konsum. Dieser wirtschaftliche Druck wird die Nachfrage und die Präferenzen für Wein weiterhin beeinflussen.

2. Veränderungen im Gastronomiebereich während der Pandemie

Die Auswirkungen der Pandemie auf die Gastronomie waren gravierend. Während sich andere Branchen erholten, stand die Weinbranche in der Gastronomie vor großen Herausforderungen, insbesondere aufgrund hoher Betriebskosten. Nachtclubs verzeichneten nur eine begrenzte Erholung, doch die Pandemie ebnete den Weg für ungezwungenere, frühere Trinkgelegenheiten, bei denen Wein an Beliebtheit gewann. Diese Entwicklung deutet auf eine Neuausrichtung der Gastronomieangebote hin, mit neuem Potenzial für Lokale, die einen entspannten, geselligen Weinkonsum fördern.

3. Moderationstrends und gesundheitsbewusste Konsumenten

Jüngere Generationen setzen zunehmend auf Mäßigung, bedingt durch ein steigendes Gesundheitsbewusstsein und wirtschaftliche Zwänge. In vielen Märkten sinkt der Weinkonsum, insbesondere bei jungen Erwachsenen im gesetzlichen Trinkalter, die Wert auf Qualität, niedrigere Alkoholgehalte oder alkoholfreie Alternativen legen. Die gesellschaftliche Akzeptanz von moderatem Alkoholkonsum verändert den Markt, reduziert das Stigma der Abstinenz und steigert die Nachfrage nach Weinen mit niedrigerem Alkoholgehalt und höherer Qualität.

4. Politische und regulatorische Auswirkungen auf den Weinmarkt

Die Dynamik des Weinmarktes wurde maßgeblich durch Zölle und Änderungen der Alkoholsteuer beeinflusst. Die neue britische Alkoholsteuerstruktur, die im August 2023 eingeführt wurde, veranlasste mehrere Marken, den Alkoholgehalt ihrer Weine zu senken oder Produkte mit mittlerem Alkoholgehalt auf den Markt zu bringen. Darüber hinaus bietet die Abschaffung der Zölle auf australischen Wein in China im März 2024 australischen Produzenten nach einer schwierigen Zeit einen erneuten Marktzugang. Solche politischen Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit von Flexibilität im internationalen Weinhandel.

Attraktivitätsranking des Weinmarktes: Wichtigste Erkenntnisse

Laut dem Attraktivitätsranking des Compass-Modells haben sich einige Märkte als widerstandsfähig erwiesen, während andere Rückschläge hinnehmen mussten. Hier einige der wichtigsten Ergebnisse:

Vereinigte Staaten: Führend, aber im Wandel

Die USA bleiben der größte Markt für Stillweine, obwohl die Absatzmengen leicht rückläufig sind. Die Nachfrage nach Stillweinen im Premium- und gehobenen Preissegment ist gestiegen; mittlerweile entfällt über ein Drittel des Weinabsatzes in den USA auf dieses Segment. Prognosen deuten darauf hin, dass Premiumweine auch bei sinkenden Absatzmengen weiterhin dominieren werden, da Konsumenten bestrebt sind, „weniger, aber dafür bessere“ Weine zu trinken.

Kanada: Erholung und Premiumisierung

Der kanadische Weinmarkt, der pandemiebedingt einen Einbruch erlitten hatte, hat sich erholt und belegt nun den zweiten Platz. Bevölkerungswachstum und eine stetige wirtschaftliche Erholung haben zu diesem Comeback beigetragen. Die Premiumisierungstrends in Kanada liegen nun fast gleichauf mit denen in den USA, was durch sinkende Inflation und ein verbessertes Wirtschaftsklima begünstigt wird.

Schweiz: Ein zuverlässiger Akteur

Die Widerstandsfähigkeit der Schweiz ist auf ihr hohes BIP und die niedrige Inflation zurückzuführen, die beide das Land zu einem äußerst attraktiven Weinmarkt machen. Der Schweizer Markt bevorzugt Premium- und Importweine und verzeichnet einen hohen Pro-Kopf-Weinkonsum, der die Position des Weinmarktes kontinuierlich gestärkt hat.

Skandinavische Märkte: Stille Widerstandsfähigkeit

Norwegen, Dänemark und Schweden haben sich in der Rangliste deutlich verbessert, obwohl der Weinkonsum in diesen Regionen allmählich rückläufig ist. Ihr vergleichsweise geringer Rückgang im Vergleich zu anderen etablierten europäischen Märkten spiegelt eine stabile Nachfrage wider, insbesondere nach Premiumweinen.

Westeuropa: Inflation dämpft Nachfrage

Der wirtschaftliche Druck durch Inflation und hohe Lebenshaltungskosten stellt die westeuropäischen Märkte weiterhin vor Herausforderungen. Sowohl Großbritannien als auch Deutschland haben an Attraktivität verloren, da diese Märkte mit Problemen wie Steuererhöhungen, den wirtschaftlichen Folgen des Brexit und einer geringen Prämienbildung zu kämpfen haben.

Asien-Pazifik-Märkte: Durch wirtschaftliche Faktoren eingeschränkt

Südkorea, ehemals der zweitattraktivste Markt, ist aufgrund wirtschaftlicher Abschwächungen, knapper werdender Budgets und regulatorischer Auflagen, die den Weinkonsum beeinträchtigen, auf Platz acht abgerutscht. Auch in Japan stellt die Beliebtheit von trinkfertigen Weinen (RTD) eine starke Konkurrenz für den Markt für Stillweine dar und deutet auf Herausforderungen für das Wachstum in der APAC-Region hin.

VAE: Ein neuer Marktteilnehmer mit wachsenden Chancen

Die VAE haben sich dank ihres wachsenden Tourismussektors und des steigenden Weinkonsums westlicher Expats erstmals unter den Top 10 etabliert. Die Gastronomie profitiert von diesem Trend: Ein wachsendes Angebot an erlesenen Weinen trägt zum Wertzuwachs im Premiumsegment bei.

Ausblick: Wichtige Prognosen für den Weinmarkt

Mit Blick auf das Jahr 2025 zeichnen sich mehrere neue Trends ab, die die Weinindustrie prägen werden:

  1. Anhaltende Auswirkungen von Inflation und steigenden Lebenshaltungskosten : Die Inflation bleibt in verschiedenen Märkten hoch und belastet die Budgets der Verbraucher. Obwohl die Inflation in den westlichen Märkten nachlässt, steigt sie in einigen Ländern des asiatisch-pazifischen Raums und beeinflusst das Kaufverhalten.

  2. Anhaltender moderater Weinkonsum bei jüngeren Konsumenten : Mit zunehmendem Alter der jüngeren Generationen dürfte sich der Trend zu einem moderaten Konsum fortsetzen. Diese Entwicklung eröffnet Chancen für hochwertige, alkoholärmere oder alkoholfreie Weine, da Konsumenten Qualität vor Quantität stellen.

  3. Politische Umbrüche und regulatorische Änderungen : Zukünftige politische Veränderungen, darunter die erwartete Erhöhung der Alkoholsteuer in Großbritannien im Jahr 2025 und mögliche Auswirkungen der US-Wahlen, könnten die Unsicherheit auf dem Markt erhöhen. Darüber hinaus dürften anhaltende Konflikte und Spannungen in Regionen wie der Ukraine und dem Nahen Osten den internationalen Handel beeinflussen.

Die Marktdynamik mit dem Compass-Modell von IWSR meistern

Es ist wichtig zu beachten, dass das Compass-Modell als Orientierungshilfe für neutrale Investoren dient und eine Momentaufnahme der Marktattraktivität bietet, die an individuelle strategische Bedürfnisse angepasst werden kann. Unternehmen, die bereits in bestimmten Regionen aktiv sind oder über spezifische Vertriebswege verfügen, können je nach vorhandenen Ressourcen und Beziehungen größere oder geringere Chancen vorfinden. Durch die Anpassung des Modells an die individuelle Positionierung eines Unternehmens können vielversprechende Chancen im sich ständig wandelnden globalen Weinmarkt erschlossen werden.

Quelle: IWSR

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